Interview mit Hiroki Ryuichi
Hiroki Ryuichi ist einer meiner persönlichen Regie-Favoriten. Seine Filme erzählen oftmals von kleinen und scheinbar unscheinbaren Geschichten, die dann auf der Leinwand zu ganz großen Momenten werden. Mit Vibrator gelang Hiroki der Durchbruch als Independet-Filmemacher. Vibrator wurde nicht nur in Japan mit Preisen ausgezeichnet, sondern lief auch auf diversen internationalen Filmfesivals mit sichtlichem Erfolg. Seine Filmographie, die ihren Anfang im Pink-Film hat, zeichnete sich in den letzten Jahren immer mehr durch Geschichten über Frauenfiguren aus. Im Interview geht Hiroki auf seine Vergangenheit als Pink-Filmemacher und als gegenwärtiger Independet-Regisseur ein.
Vergangenheit
Was hat sich im Pink-Film-Bereich seit “Seigyaku Onna Wo Abaku” getan? Wie hat sich die Szene aus Ihrer Sicht entwickelt?
- Da ich persönlich keine Pink-Filme mehr drehe fehlt mir der nötige Zugang um dies zu beurteilen. Ich muss eingestehen, dass mir der Pink-Film aber ein wenig fehlt. Eine, meines Erachtens wichtige Entwicklung die der Pink-Film in den letzten Jahren durchwandert, ist das er immer mehr auf internationalen Filmfestivals gezeigt wird. Eine gute Entwicklung.
Was sind die größten Unterschiede zu damals und jetzt?
- Allgemein lässt sich sagen, dass der Pink-Film ändert weil die macher sich verändern. Es ist immer eine Frage der Generation. Für mich persönlich hat sich das Konzept aber nicht verändert – das denke ich zumindest.
Wie kann man sich ein Casting zu einem Pink-Dreh vorstellen? Wie findet man die richtigen Darsteller, da ich davon ausgehe, dass die meisten keinen Agenten haben?
- Das ist so nicht richtig. Die Hauptdarsteller und nun auch die jungen Schauspieler haben Agenten. Besonders die männlichen Darsteller. Hier entscheidet oft der Angent ob er das Skript für seinen Klienten in Frage kommt. Bei den weiblichen Darstellerinnen ist die Situation noch ein wenig schwieriger – die müssen sich ja schließlich vor der Kamera entkleiden. Das ist nicht immer einfach.
Sie sagten in einem Interview, dass ihre ersten Filme schrecklich seien. Denken Sie man kann Filmemachen lernen oder ist es eine Gabe?
- Um Filme zu machen ist nur gute Idee notwendig. Dann kann es ein jeder. Das Problem ist zu entscheiden was interessant ist und was nicht. Ein wenig Talent schadet aber nicht.
Gegenwart
Abgesehen von Kikansha Sensei, erzählen ihre Filme zu meist Geschichten von Frauen in verschiedenen Lebenslagen. Wie kamen Sie dazu, sich dafür zu interessieren?
- Ich war von Anfang an, auch als ich noch im Pink-Bereich arbeitete, an Frauenfiguren immer am meisten interessiert. Sie stehen für mich schon immer im Mittelpunkt.
In wie fern würden ihre Filme anders aussehen wären Sie eine Frau?
- (lacht) Im Moment drehe ich alles aus der Perspektive eines Mannes – gezwungenermaßen. Wäre ich aber eine Frau, dann wären die filme aber auch anders. Das nehm ich zumindest an.
Wären sie eine Frau würden ihre Filme dann über Männer sein?
- Da muss ich darüber nachdenken. Damit hab ich mich noch nie befasst. Ich interessiere mich als Mann für die Frauen. Wäre ich aber eine Frau, dann würde ich die Rollen aber vielleicht anders besetzen. Das kann schon sein. Zu meinen Darstellern hab ich immer eine besondere Gefühlsbeziehung auch bei Männern… über diese Frage muss ich aber noch einmal in Ruhe nachdenken (lacht).
Wie arbeiten Sie? Wie gehen Sie an ein Projekt ran? Gibt es Änderungen am Skript? Wie sieht die übliche Herangehensweise aus?
- Es ist meisten ein Anlass der mich zum Filmemachen bringt oder eine Produktionsfirma beauftragt mich direkt. Für mich ist es schwierig eine Idee zu verwirklichen, denn die Produktionsfirmen stimmen meinen Projekten oft nicht zu. Das ist schade. Damit muss man sich aber zu Recht finden. Ein Arbeitstag, sofern ich drehe, denn wenn ich nicht drehe hab ich keine Arbeit, beginnt so um fünf Uhr Früh. Dann hab ich meistens 12 Stunden Schichten.
Wie sehen Sie Film? Als Regisseur oder als Konsument?
- Meine Filme sehe ich immer vom Standpunkt des Regisseurs aus, Filme von anderen Filmemachern sehe ich hingegen wie jeder andere – denke ich zumindest. (lacht).
Zukunft
Wo werden Sie in 10 Jahren sein? Gibt es eine Rückkehr zum Pink-Film?
- So weit denke ich nicht voraus. Irgendwann kann ich aber wahrscheinlich nicht mehr drehen und dann ist auch Schluss. Eine Rückkehr zum Pink-Film ist im Moment nicht geplant. Wann kann zwar nie sagen was die Zukunft bringt aber geplant hab ich nichts.
Stefan Nutz/2007



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